Künftige Wege durch das Gesundheitswesen

Aktualisiert: 12. Mai 2021



Mit welchen Veränderungen, künftigen Wegen durch und Prozessen im Gesundheitssystem ist in den nächsten Jahren zu rechnen?

Was passiert dabei seitens der Patientinnen und Patienten und wie wird das Gesundheitssystem von der zunehmenden Digitalisierung beeinflusst?


Wir haben für Sie die wichtigsten Aussagen aus kürzlich erschienenen Publikationen zu diesem Thema, unter anderem vom Gottlieb Duttweiler Institut und dem Zukunftsinstitut, zusammengefasst.



Grundlegende Änderungen dank neuen Technologien


Die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche ermöglicht immer mehr Menschen Zugang zu besseren und individuellen Gesundheitsinformationen. Dadurch verändert sich die Position der Patienten und Patientinnen und der hierarchische Abstand zwischen Ärzten und Ärztinnen sowie Patienten und Patientinnen verringert sich.


Als Resultat entwickeln sich Patientinnen und Patienten zu einem aktiven und selbstbestimmten Mitglied des Gesundheitssystems.

Diese aktive Rolle von Patientinnen und Patienten ist denn auch wichtig für den Behandlungserfolg, denn dank gezielter Nutzung von medizinischer Expertise, und Partizipation über das weitere Vorgehen können PatientInnen von individuell zugeschnittenen Behandlungspfaden optimal profitieren.

(Siehe auch unser Blogpost "patientenzentriert - selbstverständlich?")


Die Bereitstellung von digitalen Inhalten benötigt ein Umdenken und interdisziplinäre Zusammenarbeit, beispielsweise von Medizin und Pflege. Informationen, die heute in Webseiten, Flyern und Patientenbroschüren bereitgestellt werden, sollen künftig entlang dem Patientenpfad dann, wenn sie benötigt werden, angezeigt werden.



Durch Partizipation zur Patientendemokratie


Die Kultur in der Patientenversorgung, die auf Partizipation beruht, den Menschen ins Zentrum stellt und damit das historische Verhältnis von passiven Patienten gegenüber der medizinischen Fachperson hinter sich lässt, entwickelt sich immer mehr zum Standard.


Diese künftigen Gesundheitswelt, in welcher patientenorientiert vorgegangen wird, wird oft auch als Patientendemokratie bezeichnet.

(Mehr dazu in diesem NZZ-Artikel)


Patientenzentrierte Lösungen erlauben Patienten, selber zu entscheiden, welche Rolle sie im Behandlungsverlauf übernehmen.

Beispielsweise stehen in einer solchen Lösung medizinische Inhalte in leicht verständlicher Form mobil, digital und damit 24/7 bereit und sind individuell auf die Patientin zugeschnitten. Termineinladungen enthalten Informationen zur Vorbereitung, Behandlung und Nachsorge.


Patientinnen und Patienten können diese Inhalte

  • mehrfach "konsultieren";

  • mit dem vertrauten Unterstützungs-Umfeld teilen;

  • zur Beantwortung von Fragen (welche üblicherweise ein paar Tage nach der Besprechung mit der Ärztin auftauchen) nutzen;

  • für die korrekte Nachsorge nutzen (Medikamenten-Einnahme; Physio-Übungen usw.)



PatientInnen und Patienten werden zu Konsumenten


Im weiteren Blick in die Zukunft werden Patienten und Patientinnen dank einfachem Zugang zu einer stetig wachsenden Auswahl an mobilen Applikation im Gesundheitswesen vermehrt auch zu Konsumenten und Konsumentinnen. (Frick, Bosshart & Breit, 2020)


Angebot und Nachfrage könnten sich durch neue technische Schnittstellen (wie Smartphones, Wearables, Smart Assistants) und vernetzte Infrastruktur grundlegend verändern.


Beispielsweise wird es künftig möglich sein, durch kontinuierliche Überwachung von Körperdaten Informationen über tieferliegende gesundheitliche Störungen zu erhalten. Dadurch werden Krankheiten nicht erst beim Arztbesuch, bei einer Laboruntersuchung oder im Spital entdeckt, sondern dank künstlicher Intelligenz und den vorhandenen Messdaten wird automatisiert auf Muster hingewiesen, die für gewisse Krankheiten charakteristisch sind (Szpiro, 2020).


Diese zunehmende Hoheit der Patienten und Patientinnen über ihre eigene Gesundheit und den Krankheitsverlauf führt letztendlich nicht nur zu mehr Rechten - wie die Wahl und Selbstbestimmung über Behandlungsmethoden oder -ort - sondern auch zu mehr Pflichten.

Wobei Patienten und Patientinnen dazu angehalten und darin unterstützt werden müssen, Eigenverantwortung für sich und ihre eigene Gesundheit zu übernehmen.


Mit dieser Personalisierung der Gesundheit - dank Smartphones, Wearables und Smart Assistants - werden Patientinnen und Patienten als Konsumentinnen und Konsumenten entsprechenden Erwartungen haben, zum Beispiel an die Convenience.



Next Practice: Kundenerlebnis


Hier liegt der Fokus darauf, radikal vom Blickwinkel der Patientinnen und Patientien aus zu denken und alle Entscheidungen rund um die individuelle Gesundheit darin zu integrieren, damit das Patientenwohl zunehmend in den Mittelpunkt rückt.


Medizinische Angebote müssen sich nahtlos und bequem in den Alltag der Kundinnen und Kunden integrieren.


Mittel dazu sind der vermehrte Einsatz von Smartphones oder mobilen Devices sowie bestehende Wege durch das Gesundheitssystem in Patient Journeys umzudenken und durchgängig zu gestalten (Frick, Bosshart & Breit, 2020).


Dafür braucht es passende, durchgängige Arbeitsprozesse und Kommunikationswege mit durchgängig sichergestelltem Datenzugriff.


EIne vernetzte, möglichst einheitliche Systemlandschaft und Software, die sowohl die Behandlung optimal unterstützt als auch am Patientenpfad ausgerichtet ist, sind zwei wichtige interne ICT-Bausteine, die zum Gelingen beitragen.



Was wird für das Kundenerlebnis der Zukunft benötigt?


Damit das Potential der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt und Individualisierung der Gesundheitsdienstleistungen ausgeschöpft werden kann, müssen im Gesundheitswesen drei grundlegende Voraussetzungen erfüllt werden.


Es braucht Veränderungen auf technischer und politischer Ebene sowie die Entwicklung in Richtung Plattform- und Ökosystemdenken.

Datenschutzkonforme Vernetzung von Gesundheitsdaten statt Insellösungen Auf technischer Ebene fehlt eine Infrastruktur, welche die strukturierte und standardisierte Erfassung von Patientendaten ermöglicht und die Grundlage für eine Vernetzung von Gesundheitsdaten über Insellösungen von einzelnen Akteuren hinaus bietet.


Voraussetzung dafür ist die solide Absicherung gegenüber potenziellen Sicherheitsrisiken (z.B. Hackerangriffe) sowie das Beantworten von ethischen Fragen rund um die Privatsphäre und um die Nutzung von persönlichen Daten für Forschung.


Anpassungen auf politischer Ebene

Zweitens bedarf es Anpassungen auf politischer Ebene. Dabei ist nicht nur wichtig, dass sich die Politik der Vernetzung der globalen Gesundheitssysteme anpasst, sondern auch Entwicklungen diesbezüglich unterstützt.


Gerade auch die jüngste gesundheitliche- und wirtschaftli