Was benötigen Bildung und Lehre für die erfolgreiche Transformation und Digitalisierung?

Aktualisiert: 12. Mai 2021

Ein oft vernachlässigter Aspekt der Digitalisierung ist die (Aus-)Bildung des Personals.


Diesem Thema widmet sich ein Arbeitspapier der Careum Stiftung. Das Papier zeigt die fundamentalen Veränderungs- und Innovationsprozesse auf, welche die Rollen, Kompetenzen und Kooperationen von allen Gesundheitsberufen massiv verändern.

Unsere Junior Beraterin und Medizinstudentin, Florence Odermatt hat sich in das Arbeitspapier vertieft und zeigt einige Handlungsschwerpunkte auf – als Beraterin und Studentin beleuchtet Sie beide Sichten: «Spitalbetrieb» und «Ausbildung».

Innovationen..

Die digitale Transformation im Gesundheitssystem beinhaltet neben der Einführung des EPD vielversprechende Technologien und Produkte, welche die Diagnose, Überwachung, Terapie oder Prävention einer Krankheit oder eines Gesundheitszustandes beeinflussen.


Um nur einige Beispiele zu nennen: Mit Telemedizin kann die Produktivität gesteigert und Kosten gesenkt werden. Studien in den USA zeigten zudem die Reduktion der Komplikationsrate.


Virtual und Augmented Reality können zur Behandlung von psychologischen Beschwerden benutzt werden und Robotik kann neben dem Operationssaal auch Einzug in die Bereiche der Pflege erhalten.


Transformative neue Technologien und Behandlungsmöglichen sind teilweise bereits in der Anwendung, teilweise werden sie geplant oder nächstens eingeführt - die kontinuierliche Anpassung auf Seiten des Gesundheitspersonals in ihrer Arbeit und den Arbeitsabläufen ist essentiell.

und Akteure...

Akteure auf unterschiedlichen Ebenen interagieren mit den neuen Anwendungen.

Sie nutzen Informationen und Prozesse mit unterschiedlichen Zielen:

  • Patienten, pflegende Angehörige oder Selbsthilfegruppen und die Mitarbeitenden in Gesundheitsberufen (Mikroebene) ebenso wie

  • Institutionen im Gesundheitswesen (Mesoebene) und nicht zuletzt

  • die Gesellschaft als Ganzes, Politik, Wirtschaft, Bildung und Forschung (Makroebene).


mit unterschiedlichen Zielen

Auf der Mikroebene steht die Nutzung zur Entlastung im Gesundheitsalltag im Vordergrund:

Institutionen wollen Behandlungsergebnisse verbessern und Prozesse optimieren, während die Makroebene im Bereich von Forschung und Bildung profitiert und im Interesse von allen die Kostenexplosion in Schach halten will.



Vielfältige neue Herausforderungen


Damit diese Ziele erreicht werden können, ist die folgende Frage mit Fokus auf die Mitarbeitenden im Gesundheitsbereich zentral:

Werden die künftigen Ärztinnen, die Pfleger, Physiotherapeutinnen und sonstigen Gesundheitsdienstleister heute angemessen auf diese Transformation vorbereitet?

Schliesslich wird sich für sie einiges ändern:


Dr. Google, Wearables und Diagnose-Apps

Auch heute schon konsultiert ein grosser Teil der Patienten vor dem Arztbesuch Dr. Google.

Dank intelligenter Technik erhalten Patientinnen und Patienten schnell und einfach Zugang zu Gesundheitsdaten und Diagnosen, die früher ohne Zugang zu ärztlichem Personal nicht erhältlich waren.

Entsprechend oft eröffenen Patienten die Sprechstunde bereits mit konkreten Diagnosevorschlägen.


Patient Empowerment

Die heute stärkere Involvierung der Patientinnen ist wünschenswert und hat auch positive Auswirkungen. Denn mit «Patient Empowerment» nehmen Patienten eine aktive Rolle im eigenen Gesundungsprozess ein, was den Behandlugnserfolg erhöht. (Siehe auch unseren Blog «patientenzentriert – selstverständlich»)


Die Anforderungen an den Umgang mit Patientinnen und Patienten haben sich geändert: Es gilt, Aufklärungsarbeit bezüglich Falschinformationen zu leisten und Ängste zu adressieren – Probleme, mit denen im veralteten, patriarchalischen Arztmodellen nicht zu rechnen war.

Erwartungen und Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten


Die Patientenschaft kommt jedoch nicht nur mit Diagnosen- und Therapievorschlägen in die Praxis bzw. das Spital – oft benutzt sie auch schon eines oder gar mehrere digitalen Tools aus dem App/GooglePlay Store oder dem Internet.


Als Gesundheitsfachperson eine Übersicht über Qualität und Nutzen der üblichesten Apps zu haben, ist nicht einfach: Im Jahr 2018 gab es weltweit bereits über 380'000 Apps, die einen Gesundheitsbezug angeben!


Im Austausch mit Patientinnen und Patienten können dennoch Fragen auftauchen und Empfehlungen und Einschätzungen aus ärztlicher Sicht werden immer öfter erfragt.