• Sabine Ultsch

Digitalisierung im Gesundheitswesen - Internationaler Vergleich und Erkenntnisse

Aktualisiert: Sept 1

Innovation im Gesundheitswesen ist eng verknüpft mit Digitalisierung. Das Potential ist gross: Prozessoptimierung, Patientensicherheit und Kostenreduktion. Und dadurch mehr Zeit und Ressourcen für Behandlung von Patientinnen und Patienten.

Dennoch scheint die Digitalisierung im Gesundheitswesen nur langsam fortzuschreiten: Wir warten seit Monaten auf die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD). Papierbasierte Prozesse und zahlreiche Medienbrüche sind noch weit verbreitet.


Der einfache, sichere und schnelle Zugriff auf Gesundheitsdaten für alle Beteiligten ist eine wichtige Grundlage der Digitalisierung - darauf aufbauend können weitere wichtige Dienstleistungen digital eingebunden werden.

Eine Studie zeigt, welche Meilensteine und Kriterien Vorreiter Estland auf dem Weg zur erfolgreichen Digitalisierung umgesetzt und berücksichtigt hat.



Wo steht die Schweiz bezüglich Digitalisierung im Gesundheitswesen im internationalen Vergleich?

Die Studie des Global Digital Health Partnership "Citizen Access to Health Data" zeigt die international unterschiedlichen Umsetzungen für den Patientenzugang zu Gesundheitsdaten. Bei den analysierten 22 Ländern ist auch die Schweiz mit dabei.

Gleich vorneweg: In vielen Ländern ist Verbesserungs-Potential vorhanden - die Schweiz landet aufgrund des noch nicht verfügbaren EPDs noch nicht auf einem Spitzenplatz.

Was machen andere Länder anders und noch wichtiger: Was können wir von diesen lernen?

Vorreiter Estland: Wichtigste Meilensteine

Betrachten wir den Vorreiter im Bereich der Digitalisierung schlechthin: Estland.

Der kleine Staat im Baltikum wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 gegründet. Die Infrastruktur und Verwaltung mussten von Grund auf neu aufgebaut werden. Von Beginn weg setzte Estland dabei auf digitale Lösungen.


Elektronische Patientenakte seit 12 Jahren

So führte Estland bereits im Jahr 2008 als erstes Land weltweit eine elektronische Patientenakte ein. Zunächst war diese ein webbasiertes, verschlüsseltes Portal mit zentraler Datenhaltung, welches später auf ein dezentrales System umgestellt wurde.


Blockchain Technologie

Das neue dezentrale System basiert auf der Blockchain Technologie, durch welche die Daten sicher gespeichert werden können, danach nicht mehr manipulierbar sind und dennoch orts- und zeitunabhängig zur Verfügung stehen.


Gesetzliche Prozessvorgaben für Dokumentenbereitstellung, einheitliche Terminologie

Um die Aktualität der Gesundheitsakte sicherzustellen, sind estnische Gesundheits-fachpersonen gesetzlich dazu verpflichtet behandlungsrelevante Dokumente innerhalb von fünf Tagen in die Gesundheitsakte hochzuladen. Damit ein einheitlicher Standard in der Dokumentation gewährleistet ist, erfolgen alle Eintragungen in einer einheitlichen Informationstechnologiesprache.


Integration in bestehende Systeme

Um den administrativen Aufwand für die Gesundheitsfachpersonen tief zu halten, können die primären KIS [Klinikinformationssysteme] in die Patientenakte integriert werden. Dadurch erfolgt die Übertragung der Daten automatisch. Für kleinere Arztpraxen, die über kein eigenes Primärsystem verfügen, steht ein staatliches Ärzteportal zur Verfügung.

Datensicherheit und rechtliche Grundlage

Der/die Patient/-in verfügt über die Datenhoheit und kann in der eigenen Patientenakte nachschauen welche Gesundheitsfachperson, wann welche Daten aufgerufen hat.

PatientInnen haben zudem die Möglichkeit ihre Daten unzugänglich zu machen, womit sie allerdings riskieren, dass in lebensbedrohlichen Situationen relevante Daten nicht verfügbar sind.

Im Falle einer unerlaubten Dateneinsicht kann die Patientin eine Erklärung verlangen und juristisch gegen die unerlaubte Dateneinsicht vorgehen.


Hohes Vertrauen dank Einfachheit, Transparenz und Rechtssicherheit

Die gesetzliche Absicherung gegen den Datenmissbrauch, sowie die Verwaltungs- und Einsichtsfunktion des Patienten haben massgeblich das Vertrauen der estnische BürgerInnen in die elektronische Patientenakte gestärkt und zum Erfolg der elektronischen Patientenakte in Estland beigetragen. So haben aktuell erst 500 Personen ihre Patientenakte unzugänglich gemacht.


Integration weiterer staatlicher Dienstleistungen

Des Weiteren können PatientInnen die Kostenabrechnungen der Krankenkassen mitverfolgen. Dank dieser Funktion ist das Abrechnungssystem transparent und beugt dadurch dem Missbrauch vor.


Mittlerweile gehen die Funktionen und die Verknüpfungen der estnischen Patientenakte mit weiteren Dienstleistungen über das Gesundheitswesen hinaus. So kann der Patient staatlichen Einrichtungen, wie beispielsweise dem Ärzteausschuss des Militärs den Zugriff auf seine Gesundheitsdaten erlauben, um seine Untauglichkeit für den Militärdienst geltend zu machen.

Dies ermöglicht dem estländischen Bürger eine unkomplizierte und reibungslose Benutzung der staatlichen Dienstleistungen über die Schnittstellen hinweg. Die Vorteile der elektronischen Gesundheitsakte in Estland liegen auf der Hand. Mittlerweile sind 95 Prozent der von Ärzten und Krankenhäusern generierten Daten digital abgespeichert.


Per Mitte November 2016 haben sich bereits über 25 Millionen Dokumente angesammelt und monatlich werden über 800`000 digitale Transaktionen abgewickelt.


Reduktion administrativer Aufwand – mehr Zeit für Patientinnen und Patienten

Durch die Digitalisierung konnte der administrative Aufwand bei der Zuweisung von PatientInnen reduziert werden. Dadurch können sowohl die Gesundheitsfachperson als auch die Patienten Zeit sparen. Die Gesundheitsfachpersonen verfügen jederzeit über die behandlungsrelevanten Daten und können dadurch ihre PatientInnen effektiver und effizienter behandeln.

Datengrundlage für das staatliche Gesundheitsmanagement

Von der zentralen und transparenten Datenhaltung profitiert letzten Endes auch das Gesundheitsmanagement. Anhand der Daten kann analysiert werden, wie effektiv einzelne Behandlungsansätze sind und die finanziellen Ressourcen können dementsprechend auf die erfolgversprechendsten Massnahmen verteilt werden.


Schlussfolgerungen für die Schweiz: Vier Erfolgskriterien


Das estländische System beeindruckt. Was kann die Schweiz, deren Gesundheitswesen noch in den Digitalisierungs-Kinderschuhen steckt, von den Esten lernen?


Strukturen und Standards – für tiefe Kosten

Es empfiehlt sich, die Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens strukturiert und standardisiert vorzunehmen. Statt einen Flickenteppich verschiedener Lösungen zu bauen, lohnt es sich ein strukturiertes, standardisiertes und einheitliches System über die Institutions- und Kantonsgrenze hinweg zu bauen.


Mit heyPatient verfolgen wir das selbe Ziel: Eine Leistungserbringer-übergreifende Lösung für das Schweizer Gesundheitssystem.


Voll-integrierte Systeme, medienbruchfrei – für effiziente Prozesse

Dank der vollen Integration neuer Systeme in die bestehenden Klinikinformationssysteme wird der Arbeitsfluss des medizinischen Fachpersonen nicht unterbrochen. Es müssen keine neuen Dashboards geöffnet werden oder Daten manuell importiert werden, sondern die Daten werden automatisch in die bestehenden Systeme übertragen.


Was heyPatient bietet: Mit der Voll-Integration in die Klinikinformationssysteme stellen wir dadurch sicher, dass der administrative Aufwand auf Seiten des Klinikpersonals reduziert werden kann.


Gesicherter, einfacher Zugriff für alle Beteiligten - für höchsten Nutzen

Die hohe Verwendungsrate des elektronischen Patientendossiers in Estland ist auf den grossen Nutzen für die Bevölkerung zurückzuführen. Alle Gesundheitsdaten sind einsehbar und verschiedenste Dienstleistungen können einfach in Anspruch genommen werden. Darauf aufbauend können weitere Services entwickelt und bereitgestellt werden.


heyPatient arbeitet auf diese Vision hin: Alle Daten sollen kompakt an einem Ort für den Patienten vorhanden sein und Dienstleistungen – bspw. Buchungen von Upgrades, speziellen Therapien und Gerätschaften - einfach in der App buchbar sein.


Mit Einführung des EPD können Sie unsere App ein Patienten-Frontend nutzen. Bereits heute können PatientInnen Gesundheitsdaten, Dokumente und vieles mehr gut geschützt in der App verwalten.


Einfachheit, Transparenz und Rechtssicherheit

Als essentiell für den estländischen Erfolg sind die rechtliche Grundlage und das Vertrauen der Bevölkerung zu werten. Dies wurde mit der Verwendung einer sicheren Technologie und Speicherung der Daten erreicht, sowie einer angemessenen Gesetzgebung.


heyPatient verwendet verbreitete, sichere Technologien. Wir nutzen zudem Microsoft Azure Schweiz für die Datenspeicherung und die SwissID für sichere Logins und geprüfte Identitäten, die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt.


Das estländische digitale Gesundheitswesen zeigt uns das grosse Potenzial für unser eigenes Gesundheitswesen auf.
Mit heyPatient wollen wir uns auf diese Reise begeben – werden Sie Teil davon!


Über die Autorin:

Sabine Ultsch nutzt Ihre Erfahrung mit Patient Journeys und Prozess-Analyse als Junior Business Consultant und Healthcare Specialist bei heyPatient.

Ihr Bachelor Studium absolvierte Sabine im Bereich Betriebswirtschaftslehre an der Uni St. Gallen. Ihre Bachelorarbeit verfasste sie über das elektronische Patientendossier und diskutierte darüber in diesem Podcast. Aktuell absolviert Sabine ein Master Studium in Business Innovation.


Neben Studium und Job leitet sie den Gruppen- und Einzelunterricht als Skilehrerin aller Alterskategorien in der Skischule Klosters, leitet eine Laserklasse im Akademischen Sportverband der Universitäten Zürich und die Kinder-Trainings im Segelclub Stäfa.

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