Digitale Patientenführung als strategischer Hebel für Effizienz und Patient Experience
- Matthias Spuehler
- 21. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird häufig als langfristige Transformation diskutiert. In der operativen Realität entsteht echter Mehrwert jedoch dort, wo konkrete Alltagsprobleme gelöst werden.
Spitäler und Kliniken bewegen sich heute in einem Spannungsfeld aus steigender Nachfrage, Fachkräftemangel, Kostendruck und wachsenden Erwartungen an Servicequalität.
Genau an dieser Schnittstelle entfaltet digitale Patientenführung ihren grössten Nutzen: als pragmatischer Hebel für unmittelbare Entlastung und gleichzeitig als Grundlage für nachhaltige Weiterentwicklung.
Der Schlüssel liegt in einem schrittweisen Vorgehen mit messbarem Nutzen ab dem ersten Schritt.
Digitalisierung beginnt weit vor der Behandlung
Ein grosser Teil der organisatorischen Komplexität entsteht bereits vor dem Behandlungskontakt. Rückfragen, Terminbestätigungen und fehlende Informationen verursachen täglich hohen Koordinationsaufwand und prägen das Patientenerlebnis.
Ein zentraler Hebel liegt in der digitalen Registrierung für sofort und sicher erreichbare Patientinnen und Patienten.
Eine digitale Anmeldung kann ebenso weit vor dem Eintritt erfolgen: Statt das Eintrittsformular erst am Behandlungstag auszufüllen, erfassen Patientinnen und Patienten ihre Angaben im Voraus.
Die Patientenadministration gewinnt Zeit, Daten zu prüfen und offene Punkte frühzeitig zu klären. Dadurch entstehen strukturierte Abläufe, höhere Stammdatenqualität und spürbare Entlastung im Tagesbetrieb.

Die Wirkung reicht weit über den Eintritt hinaus:
hohe und verlässliche Stammdatenqualität bereits vor dem Behandlungstag
frühzeitige Klärung offener Punkte durch die Patientenadministration
sichere Erreichbarkeit der Patientinnen und Patienten
korrekte Adress- und Kontaktdaten als Grundlage für reibungslose Rechnungsstellung
Nachweisbar akzeptierte rechtliche Hinweise zum Eintritt, mit digitalem Timestamp
stabile und effizientere nachgelagerte Prozesse
Stammdatenqualität wird damit zu einem zentralen Treiber für durchgängige Prozessoptimierung.
Self Check in und intelligenter Eintrittsprozess
Am Behandlungstag übernimmt der digitale Check in eine zentrale Steuerungsfunktion.
Der Check in prüft automatisch den internen Status. Falls administrative Punkte offen sind, erfolgt eine gezielte Weiterleitung zur Patientenadministration. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, gelangen Patientinnen und Patienten direkt zum Termin.
Operative Effekte:
Entlastung stark frequentierter Empfangsbereiche
weniger Warteschlangen und kürzere Wartezeiten
klare und strukturierte Eintrittsprozesse
bessere Skalierbarkeit bei steigenden Patientenzahlen
Der Empfang entwickelt sich vom Datenerfassungsort zum Service und Supportkontakt.

Prozessintegrierte Zusatzangebote und neue Umsatzpotenziale
Die digitale Anmeldung eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten für integrierte Zusatzangebote.
Beispiele:
Upgrade der Liegeklasse
buchbare Zusatzservices
organisatorische Zusatzleistungen rund um den Aufenthalt
Diese Angebote lassen sich nahtlos in bestehende Abläufe integrieren und schaffen zusätzlichen Mehrwert für Patientinnen und Patienten sowie neue Umsatzpotenziale für die Organisation.
Terminmanagement als Stabilitätsfaktor
Terminbezogene Kommunikation verursacht in vielen Organisationen einen grossen Anteil der täglichen Interaktionen. Digitale Terminprozesse schaffen hier neue Planbarkeit.

Automatisierte Termineinladungen und Patientenaufgaben
Nach der Terminvergabe erhalten Patientinnen und Patienten strukturierte Informationen und vorbereitende Aufgaben automatisch.
Ergebnisse:
weniger Rückfragen per Telefon und E Mail
bessere Vorbereitung auf den Termin
reibungslosere Sprechstunden
Terminbestätigungen und ausgewählte Online Buchung
Automatisierte Terminbestätigungen verbessern die Termintreue und reduzieren kurzfristige Ausfälle.
Für ausgewählte Sprechstunden kann zusätzlich eine KIS-integrierte Terminbuchung angeboten werden. Dies erweitert die Erreichbarkeit und entlastet die Patientendisposition.

Orientierung vor Ort und digitaler Patientenaufruf
Auch vor Ort entstehen täglich zahlreiche Rückfragen zu Orientierung, Wartebereichen und Abläufen.
Digitale Aufrufsysteme schaffen Transparenz und Struktur:
weniger Rückfragen am Empfang
ruhigere Wartezonen
klar verständliche Abläufe für Patientinnen und Patienten

Niederschwellige Erstkommunikation rund um die Uhr
Ein wachsender Teil der Interaktionen findet ausserhalb der Öffnungszeiten statt. Viele Anliegen betreffen organisatorische Fragen und nächste Schritte.
AI basierte Helfer unterstützen bei der ersten Orientierung, beantworten häufige Fragen und begleiten Patientinnen und Patienten durch administrative Schritte.
Der Mehrwert:
bessere Erreichbarkeit rund um die Uhr
Entlastung von Telefon und E Mail
schnellere Orientierung für Patientinnen und Patienten
Vom Empfangsschalter zur digitalen Patientenreise
Statt einer papierbasierten Begrüssung entsteht eine personalisierte und digital begleitete Patientenreise vom ersten Kontakt bis zum ambulanten Termin oder einem stationären Aufenthalt und darüber hinaus mit hospital@home.
Mitarbeitende gewinnen Zeit für persönliche Betreuung. Patientinnen und Patienten erleben strukturierte Abläufe, klare Kommunikation und eine moderne Form der Begleitung.

Fazit: Operative Entlastung als Startpunkt der Transformation
Die Zukunft der Patientenversorgung entsteht durch konsequente Optimierung alltäglicher Interaktionen. Digitale Patientenführung wirkt dort, wo sie Prozesse vereinfacht, Teams entlastet und Datenqualität verbessert.
Der Effekt zeigt sich unmittelbar im Klinikalltag und bildet gleichzeitig die Grundlage für die weitere Entwicklung einer vollständig digitalen Patientenreise.
